Nordische Naturnoblesse

62° 2′ 0″ N, 129° 44′ 0″ E

06.06.2015 – Es wird nicht mehr dunkel. Die Weißen Nächte umhüllen den hohen Norden in nicht mehr enden wollende Tage mit ewigen Scheinsonnenuntergängen und kurzen Stunden der Dämmerung – erst Abendrot, dann Morgenblau. Ein fließender Übergang zwischen 01:00 und 02:00 Uhr in der zum Tag gewordenen Nacht.

Die innere Uhr ist vollkommen verstellt. Man fühlt sich so wach wie noch nie und findet nur schwer in den Schlaf. Es scheint sich kein Tiefschlaf mehr einzustellen. Eher ein halb wacher, halb schläfriger Schlummerzustand.  Und selbst das auch nur für wenige Stunden. Der Körper findet beim Fehlen der Nacht einen scheinbar ganz eigenen, neuen natürlichen Rhythmus. Über den ganzen Tag und die ganze Nacht verteilt immer mal wieder für zwei Stunden in diesen wirren Halbschlaf einkehren, um dann zwischen luziden Träumen und Realität mit erneuter Energie weiter durch den Tag und die Nacht zu gehen. Ein wahrlich einzigartiger Zustand des Seins….

Und die Natur scheint ebenso verwirrt zu sein. Mal scheint die Welt über Jakutsk unterzugehen, mal bildet sich nach einem Regenschauer eine Lichtsäule über dem Horizont und ein anderes Mal scheint der Himmel zu brennen…