Neue Reise, neues Glück, neuer Blog!

Juli 2015

Wie die Zeit vergeht! Gestern noch in Russland, heute schon in den USA. Meine Zeit als Lektorin der Robert Bosch Stiftung in Jakutsk ist leider schon vorbei. Mittlerweile bin ich schon fleißig am reisen. Zuerst Kamtschatka, jetzt Alaska, dann weiter an die Westküste, um von dort an meine Südostasien-Reise zu beginnen. Es folgen also noch ein paar spannende und aufregende Monate. Wen es interessiert, würde ich gerne weiterhin auf dem Laufenden halten. Allerdings nicht mehr länger auf meinem Sibirien-Blog. Fortan könnt ihr meine Bilder und Erzählungen auf der folgenden Seite lesen:

http://sabrinastraveljournal.com/

Die ersten Artikel mit unendlich vielen Bildern sind bereits online. Also viel Spaß beim Lesen und Stöbern 🙂

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Winter im Sommer in Buluus

Gar nicht weit von Jakutsk entfernt liegt Buluus, ein Ort, an dem immer Eis liegt – auch noch bei 39 Grad Außentemperatur. In einem windigen Tal liegt das ganze Jahr über Schnee und Eis.  Ob Sonne oder Regen, der Schnee bleibt liegen. 365 Tage lang.

Part IV – Peking – Oder von kleinen Anekdoten

DeSchoTi

Ein Urlauber aus Schottland, eine Backpackerin aus Deutschland und ein Mönch aus Tibet sitzen zusammen und trinken Bier. Was sich nach dem Anfang eines Witzes anhört, hat sich tatsächlich so zugetragen. Gemeinsam auf den Stufen des Eingangs zum Hostel wurde ein chinesisches Bier nach dem anderen geleert und sich eine Fluppe nach der anderen angesteckt. In schläfriger Nachtruhe wurden tiefe philosophische GesprächePeking00 über den buddhistischen Glauben, über den Sinn des Lebens und über unsere große Lebensreise geführt. Und das zusammen mit einem gleichaltrigen Mönchen, der in Tibet ziemlich aus der Reihe tanzt: Ein Künstler, der gerne Bier trinkt, Reggae hört, Gras schmökert und sich einfach nur liebend gerne dem Genuss des Augenblicks hingibt. Genau solche besondere Begegnungen machen das Reisen so kostbar und einzigartig und einfach nur unersetzlich!

Der Tee-Betrug

Nach einer Nacht, die bis in die frühen Morgenstunden anhielt, wage ich mich bei sonnig-heißen 35 Grad noch etwas vernebelt und halbschläfrig auf den Weg Richtung Verbotene Stadt. Nach fast zweieinhalb Wochen immer in wohlbehüteter Kompanie mit den zahlreichen Lektoren-Kollegen zum ersten Mal auf eigene Faust eine chinesische Stadt erkunden. Zum Abschluss habe ich darauf sogar richtig große Lust! Denn inzwischen ist mir China und die chinesische Kultur tatsächlich schon sehr vertraut geworden.

Bis zu dem Moment als ich aus der U-Bahn aussteige, nach dem richtigen Ausgang zur Verbotenen Stadt suche, mich eine Chinesin auf perfektem Englisch anspricht, ich mir dabei weiter nichts denke und erst in den kommenden 60 Minuten eines Besseren belehrt werden sollte. Die Dame und ihre Freundin stellen sich als Englisch-Lehrerinnen vor, die zusammen mit einer Gruppe für das Wochenende nach Peking gereist sind, und sich nun sehr für mich als Deutsch-Lehrerin interessieren. Aus welcher Stadt kommst du? Wo unterrichtest du? Warum in Russland? Wie gefällt es dir? Bist du verheiratet? Hast du Kinder? Definitiv zu viele Fragen für eine halbwache Person, die noch kein Frühstück und noch nicht einmal ihren ersten Kaffee intus hat und dann auch noch mit einem kleinen Hitzeschlag von der prallen Sonne neben dem Verhör zu kämpfen hat. Dazu noch hiesige Menschenmassen, die entgegen kommen, hinter mir und neben mir herlaufen. Ohne jegliche Orientierung.

Lange Rede, kurzer Sinn. Die Damen würden gerne mit mir Tee trinken, obwohl ich noch meinen Kaffee-Becher in der Hand halte. Ich denke mir nichts weiter dabei. Wir gehen in das erste kleine Teehaus. Es ist voll. Wir gehen in das zweite. Das Hinterzimmer ist noch frei. Die Klimaanlage läuft. Es gibt keine Fenster. Künstliches Licht brennt. Es riecht nach abgestandenem Rauch. Die Chinesinnen bestellen zwei Sorten Tee, die ich unbedingt probieren muss. Dazu noch Kekse. Sie reden und trinken, reden und trinken. Alles in einem immensen Tempo. Du hast so schöne Haare! Du hast solch schöne Haut! Deine Fingernägel! Immer wieder betonen sie wie schön ich doch sei. Jetzt werde ich stutzig. Ungewollt sehe ich mich in einem Horrorfilm, in welchem ich gleich in Ohnmacht falle, ich Stunden später wieder zu Bewusstsein komme, mich vor Schmerzen nicht bewegen kann, weil mir eine Niere gestohlen wurde. (Danke liebe Medien für dieses Bild in meinem Kopf!) Ich beobachte, ob die beiden aus den gleichen Kannen trinken wie ich. Meine Tasse lasse ich nicht mehr aus den Augen. Ich ärgere mich, dass ich den Damen so etwas unterstelle. Aber ein Gefühl von Unwohlsein macht sich immer mehr in mir breit. Auch wenn ich noch so vorurteilsfrei und offen sein möchte, kann ich nichts dagegen tun.

Sie bestellen mehr und mehr Tee. Sie stellen mir immer intimere Fragen. Ich möchte gerne gehen. Jetzt wollen sie Wein. Auch das noch! Auf die neue Freundschaft anstoßen! Dankend lehne ich ab. Ich würde jetzt gerne gehen. Ok. Sie bestellen die Rechnung. Soll ich sie nun einladen? Ich komme gar nicht erst dazu meinen Gedanken zu äußern. Wir teilen die Rechnung durch drei. Und plötzlich verstand ich die ganze Chose. 600 Yuan, das sind ungefähr 120 €, also 40 € für jeden. Ein ordentlicher Preis für zwei Kannen Tee, die jeweils einmal neu mit Wasser aufgegossen wurden, und zwei Tellerchen Knabbereien. Soll ich mich zur Wehr setzen? Den Betrug kenntlich machen? Stillschweigend gebe ich das Geld her. Auch wenn es kurz schmerzt, aber ich habe nur noch einen Gedanken und der lautet möglichst schnell hier raus! Sie zeigen mir nun endlich den Weg, wo ich hingehen muss. Auch das war falsch, wie sich später herausstellen sollte.

Wie dem auch sei. Nach jahrelanger Reiserei, unzähligen Begegnungen, nur wenigen skurrilen Situationen, vielmehr Aufeinandertreffen mit hilfsbereiten, gutherzigen Menschen bin nun auch ich auf einen kleinen Betrug hereingefallen. Erst im Nachhinein habe ich erfahren, dass man sich in Peking vor allem vor den so genannten „tea and coffee scamps“ in Acht nehmen solle. Zu spät. Wieder eine Erfahrung und eine kleine Anekdote mehr.

Im Vergleich zu Sichuan und Shanghai muss ich dennoch leider für Peking festhalten, dass man gerne versucht die Touristen übers Ohr zu hauen. Seien es vollkommen überhöhte Taxipreise, zusätzlich entstehende Kosten bei organisierten Peking01Touren, die natürlich kein Trinkgeld sind, sondern ganz plötzlich aus dem Nichts heraus entstehen, oder der Versuch Falschgeld an den Touri zu bringen. Im Gegensatz zu den anderen Städten ist hier (meiner persönlichen Erfahrung nach) mehr Vorsicht geboten – vor allem wenn man alleine unterwegs ist… Peking ist für mich nicht China. Peking ist für mich ein einziger Touristenkäfig.

Die verbotene Frucht – Rauchen auf der Chinesischen Mauer

Über eine Strecke von rund 21.000 Kilometern (nach Angaben des chinesischen Amts für Kulturerbe 2012) –eine Zahl, die man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen muss– zieht sich die Große Mauer an der chinesischen Grenze zur Mongolei entlang und stellt damit das größte von Menschen jemals errichtete Bauwerk dar. Die Chinesische Mauer zählt seit 2007 zu einem der neuen sieben Weltwunder. Über Jahrhunderte und Dynastien hinweg bauten Menschen daran. Das Mauerwerk diente zunächst der Eroberung von weiterem Territorium im Norden des Landes, später der Abwehr von Eindringlingen und des Schutzes vor Eroberern. Obwohl die Mauer seit 1987 als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO steht, verfallen viele Teile davon und sind nicht begehbar. Lediglich kleinere Abschnitte wurden restauriert und touristentauglich gemacht.

Zum Glück sind wir mit unserer Reisegruppe an einen Abschnitt der Mauer gefahren, der von den Pekingern selbst zum Erholen und Wandern besucht und entsprechend von weniger Touristen heimgesucht wird. Entspannt ließ es sich dort bei 35 Grad, strahlend blauem Himmel mit angenehmen Windböen über ein paar Kilometer und rund 15 Türmen hinweg entlang spazieren und an manchen Stellen gar klettern. Am Ziel angelangt wurde sich –trotz strengem Rauchverbot oder gerade deswegen– mit einer Fluppe belohnt 😉

GroßeMauer00

Part III – Shanghai – Eine Stadt von Welt

Wie sich an der nachfolgenden Bildergalerie deutlich erkennen lässt, ist Shanghai nicht China. Aber seine Zukunft. Mit 23 Millionen Einwohnern eine der größten Städte der Welt und mit ihrer einmaligen geografischen Küstenlage zwischen Peking und Hongkong am Ostchinesischen Meer eine der bedeutendsten Industrie- und Handelsstädten in Asien. Auf Deutsch übersetzt bedeutet Shanghai „hinauf aufs Meer“ – ein ganz der Lage entsprechender Stadtname. Gerne wird die Stadt auch als „Paris des Ostens“ bezeichnet. Und wer Shanghai besucht hat, weiß auch warum. Schlendern durch ewige Einkaufsmeilen, Shopping in weltbekannten Luxuslabels in Kaufhausgrößen und Flanieren am Bund mit Blick auf Pudong – einer Skyline wie man sie höchstens in New York wiederfindet. Die gigantische Wolkenkratzer-Architektur mit Gebäuden, die noch bis vor wenigen Jahren Titel wie das höchste Gebäude oder die höchste Hotelbar der Welt trugen, lässt auf ein exponentielles Wachstum der Stadt schließen. Shanghai ist wohlhabend. Das erkennt man auch an ihren Bewohnern. Shanghai ist international. Hier kommt die Welt zusammen. Englisch ist für die meisten kein Problem. Eine Megapolis, die vor Dynamik nur so strotzt. Shanghai zieht einen regelrecht in ihren Bann. Um dabei das Atmen nicht zu vergessen, gibt es Unmengen an Ruheoasen. Rund 35% der Stadt ist mit Grünfläche bedeckt. Für Fußgänger gibt es eine zweite Ebene über dem tobenden Straßenverkehr. Trotz des immensen Verkehrsaufkommens scheinen die Stadt und vor allem die Luft verblüffend sauber. Hier lässt es sich aushalten. Und neben all dieser Supermoderne finden sich noch immer traditionelle Basargassen und viele Tempel, die bei all dieser Supermoderne noch immer die Entdeckung der chinesischen Kultur ermöglicht.

Und obwohl Shanghai so viele Millionen Einwohner beherbergt, sind überraschenderweise ab 23 Uhr die Straßen wie leer gefegt. Die letzte Metro fährt ungefähr um diese Uhrzeit. Danach kann man problemlos auf den leer gefegten Straßen spazieren und umher schlendern ohne sonderlich vielen Menschen über den Weg zu laufen. Eigentlich kaum vorstellbar!

Part II – Ein Tag aus Zucker

Die Akademie

Zur Frühjahrsakademie haben sich 45 Boschis in Pengshan in der Nähe von Chengdu in der südlichen Provinz Sichuan in China zusammengefunden, um sich wieder intensiv ihrer Projektarbeit zuzuwenden und sich im Projektmanagement weiterzubilden. Für mich gab es dieses Mal reichlich Input zum Thema Internationales Bildungsmanagement. Das Seminar war so gelungen, dass ich wieder große Lust für wissenschaftliches Arbeiten bekommen und für einen kurzen Moment über eine Promotion nachgedacht habe. (Eigentlich sollte mein Auslandsjahr u.a. dazu dienen mich endlich zu entscheiden, ob wissenschaftlicher Weg oder nicht, aber irgendwie bin ich immer noch hin- und hergerissen. Wie auch immer.)

Die Frühjahrsakademie ist zwar eine freudige, aber leider auch eine recht wehmütige Zusammenkunft der Lektoren. Schließlich ist es die letzte Akademie auf welcher alle 45 Boschis in dieser Konstellation aufeinander treffen. Dann heißt es Abschied nehmen von den „alten Hasen“ im zweiten Lektoratsjahr und von den „neuen Hasen“, die sich dazu entschieden haben nur ein Jahr Boschi zu sein (wie meiner Einer). So naht das Ende einer verrückten, besonderen und ganz aufregenden Zeit schon wieder…. Nur noch zwei Monate. Der Countdown läuft…. Hach, wie doch die Zeit vergeht!

Frühjahrsakademie Pengshan 2015

West in Ost

In Pengshan war die Zusammenkunft von so vielen westlichen Europäern ein wahres Spektakel. Hier und da fühlte man sich wie in einem Zoo ausgestellt. Ständig wurde man angesprochen, unzählige Bilder wurden (teils heimlich) von und mit uns gemacht. Ich bin schon gespannt, ob wir danach heimlich als Werbeobjekte für manch ein Café benutzt werden – das scheint in China des Öfteren vorzukommen 😉

Jedenfalls freuten sich vor allem die chinesischen Germanistik-Studenten über so viel Besuch von deutschen Muttersprachlern. So nahmen sie sich unser an – nein, eigentlich beanspruchten sie uns regelrecht und lasen uns jeden Wunsch von den Lippen ab und sorgten zu jeder Zeit für unser Wohlbefinden. Sie zeigten uns den Markt, kauften mit uns ein, gingen mit uns essen, halfen mir weiterhin vegetarisch speisen zu können. Einfach nur super hilfsbereit, aufgeschlossen und nett! Es wurde gekichert, gequatscht und getratscht. Ein interkultureller Austausch wie aus dem Bilderbuch. Am Ende war Elsa, meine Chinesisch-Lehrerin und Helferin während dieser Woche, richtig traurig darüber, dass ich wieder gehen musste und hat mir zum Abschied eine Tüte voll chinesischer, vegetarischer (!) Kost mit auf den Weg gegeben – und sogar alles beschriftet, sodass ich ganz genau weiß, was ich da eigentlich zu mir nehme. Eine ganz wunderbare Geste zum Abschied! Für einen kurzen Moment war ich dem Wasser ganz nah…. Da wurde ich schon richtig wehmütig, dass ich nicht noch länger dort bleiben konnte… Wirklich tolle Studenten an diesem Standort! Das muss man einfach mal betonen 😉

Diese Portion Zucker zum Abschied war jedoch noch nicht alles. Wie es der Zufall so will, hat mir eine ehemalige Schülerin aus meiner Zeit als kulturweit-Freiwillige an einer öffentlichen Schule in Georgien eine Nachricht geschrieben –nach vier Jahren, wohlbemerkt!– und mir Bilder von unserem Unterricht geschickt als sie noch die vierte Klasse besucht hatte (also junge 10 Jahre alt war). Dazu auf Deutsch, dass sie mich nicht vergessen haben und immer noch lieben und ich jederzeit in Georgien willkommen bin! Bei solch einer schönen Geste blutet einem schon einmal das Herz! Und genau an solchen Momenten erkennt man, dass man den richtigen Weg eingeschlagen hat. Auch wenn ich keine studierte Lehrerin bin, scheine ich doch einen kleinen Eindruck bei meinen lieben Schülern und Studenten zu hinterlassen – genau wie sie auch bei mir 🙂

Rikschas, Straßengymnastik und Fressstände – Nihau Pengshan!

Auf den Straßen wird nach Feierabend getanzt und Gymnastik gemacht. An jeder Ecke findet man sich zusammen und legt los. Da bekommt man glatt selbst Lust mitzumachen!

Die Rikscha, das beste Fortbewegungsmittel, um zwischen dem Hotel und dem Campus hin- und her zu pendeln.

Frisches Obst und Gemüse auf dem (Nacht-)Markt. Hier wird der Gaumen mit scharfen Speisen und exotischen Früchten verwöhnt. Und das alles für einen Groschen.

Eine Wanderung zu der Bodhisattva der Barmherzigkeit, Guanyin Pusa – umringt von einem Kranz voll sehender Hände. Denn sie sieht die Not aller und hilft allen, die zu ihr kommen.

Hier ist China. Pengshan fühlt sich authentisch an.

Part I – Scharf, schärfer, Sichuan

Vom Ankommen und ersten kleinen Abenteuern

08.04.2015 – 12.04.2015

Zum ersten Mal sollte es für mich nach Asien gehen. Reiseziel: China. Reisegrund: Bosch-Frühjahrsakademie. Mit dem Visum in der Tasche ging es am späten Abend an den Flughafen, um in den Flieger nach Peking einzusteigen. Gar nicht so einfach, wenn man von den russischen Beamten für eine Spionin gehalten und fast eine Stunde lang zum Zweck der China-Reise und der dortigen genauen Reiseroute ausgefragt wird. Komische Angelegenheit. Einchecken und boarden durfte ich am Ende dennoch.

In fünf Stunden in Peking gelandet. Der Einstieg in eine überdimensionale Flughalle. Kein Vergleich zu allen Flughäfen, die ich bisher gesehen habe. Nicht einmal der John F. Kennedy in New York erschien mir so mächtig. Das kann allerdings auch daran liegen, dass ich mit meinem beschaulichen Leben in dem kleinen Jakutsk solche Dimensionen einfach nicht mehr gewohnt bin und es mir recht schnell die Sprache verschlägt. Als ich jedoch in einen Zug einsteigen musste, um lediglich an das Gepäckband zu gelangen, war ich erst recht baff. Alles überdimensional, alles überproportional, alles super modern, alles mega. Welcome to China – the new modern!

Ein paar Stunden Aufenthalt in recht kühlen Wartehallen und weiter geht’s nach Chengdu. Weitere drei Stunden Flug, erste chinesische Kost, viel Schlaf.

Am Flughafen angekommen – erster Auftrag Geld abheben. Gar nicht so einfach. Anders als in Russland finden sich hier nicht an jeder Ecke Geldautomaten, die auch noch VISA akzeptieren. Endlich Geld gefunden, Suche nach dem Taxi. Eine Frau quatscht mich auf Englisch an, ich bin zu müde, um mir weiter Gedanken zu machen und akzeptiere einen viel zu überhöhten Fahrtpreis zum Hostel. Mir egal. Kurzes Bereuen im Taxi. Aber zu spät. Ein erster Besuch in China, allein unterwegs, keine Chinesisch-Kenntnisse, viele neue Eindrücke, der Beginn einer ersten Reizüberflutung ließen mir einfach keine Kraft und keine Lust mich um die günstigste Anreise zu bemühen. Was soll‘s.

Aus dem Flughafen heraus. Endlich keine Winterkleidung mehr von Nöten. Kein Schnee mehr. Stattdessen grün, grün, grün, wohin das Auge sieht. Ganz schön tropisch hier! Der Klimawechsel trifft mich wie ein Schlag. Von kalter trockener Luft in ein feucht warmes Klima. Ich spüre regelrecht wie sich kleine Wasserperlen auf meiner Haut bilden. Vierzig Grad Temperaturunterschied machen sich bemerkbar.

Eine mehr als turbulente, alles andere als sichere Taxifahrt später am Hostel angekommen. Ich finde den Eingang nicht. Ein Mann versteht sofort, wo ich hin möchte und nimmt mich quasi an der Hand, führt mich durch eine Gemüsehalle, an der Fleisch(erei)abteilung vorbei, einen nach krummen Geschäften aussehenden Treppenaufstieg hinauf, schließlich zum Hintereingang des Hostels. Seltsamer Eingang, denke ich mir. Das kann doch nicht der Haupteingang sein. Wo bin ich denn hier nur gelandet? Oje, das kann ja was werden….

Im Hostel treffe ich zum Glück auf den ersten Boschi. Doch nicht ganz auf mich allein gestellt. Erleichterung macht sich breit. Erschöpfung allerdings auch. Kaffee rein, Fluppe an, kurz unter die Dusche und ab ins Gemenge. Welcome China!

Der erste Stadtspaziergang führt zu einer vollkommenen Reizüberflutung. Kein Kulturschock, aber doch ein Schock über eine andere Welt: Ein Geräuschgemisch aus einem steten Hupkonzert auf den teils sechsspurigen Fahrbahnen, die sich scheinbar durch das gesamte Stadtzentrum ziehen, und sich laut, gar schreiend unterhaltenden Menschen; Roller, wohin das Auge sieht; Gerüche aus tausend aneinander gereihten Fressbuden und -ständen; mächtige Hochbauten; Menschen en masse. Ein einziges Durcheinander, alles chaotisch, für mich gar archaisch. Eigentlich bin ich nur mit ausweichen beschäftigt. Ich merke, dass es mir bereits nach wenigen Stunden zu viel wird.

Neue Mission – Essen finden. Mein Magen knurrt schon. Ich habe Angst davor. Zu viele Horrorgeschichten gehört. Hier würde ich mir garantiert den Magen verderben. – Bloß vorsichtig sein! – Kein Wasser hier trinken! Das Übliche. Mal sehen, was genau davon eintreten wird.

Mein Boschi Kollege und ich sprechen keinerlei Chinesisch. Nicht so einfach, um zu kommunizieren, was man gerne essen möchte. Aber es geht natürlich noch schwieriger: Mit Körpersprache verständlich machen (ohne sich einen Fauxpas zu leisten und unabsichtlich Beleidigungen zu handfuchteln), dass man vegetarisch essen möchte. Fernab der zentralen Einkaufsmeile finden wir eine Fressmeile voll mit kleinen Büdchen. Das ist für mich China, das habe ich mir vorgestellt. Auf geht’s. Irgendwie wird es schon klappen. Es muss.

Alles sieht lecker aus. Ein einziger Gaumenschmauss, wohin das Auge auch sieht. Einziges Problem: Die Kommunikation. Zum Glück habe ich meinen peta2-Vegetarier-Ausweis immer mit dabei. Ich zeige es dem Verkäufer. Er lacht. Ich bin mir nicht sicher, ob er verstanden hat, was ich ihm damit vermitteln möchte. Immerhin gibt er mir eine Schale mit Nudeln von Chili bedeckt. Das sieht gut aus! Ich bin gespannt. Die Küche in der südlichen Provinz in Sichuan ist bekannt für ihre Schärfe. Das Essen schmeckt. Aber es hätte tatsächlich noch schärfer sein können.

Zusammenfassung 1. Tag: Chengdu erkunden – laufen, laufen, laufen bis die Füße schmerzen. Viel scharfes Essen konsumieren. Endlich wieder kulinarischer Genuss! Zwar vollkommene Geschmacksüberforderung mit vielen neuen, unbekannten Gewürzen, dafür aber eine Vielfalt wie schon lange nicht mehr. Die Stadt ist grün, grüner, am grünsten. Obwohl es am ersten Tag noch recht frisch ist, erkennt man sofort, dass man sich im subtropischen Teil Chinas befindet. Nicht nur die Palmen lassen darauf schließen.

Nichtsdestotrotz vollkommene Reizüberflutung: Viel Straßenverkehr – hunderte von Elektrorollers, die zwischen einem geräuschlos hindurch sausen – bereits gefühlt zehn Tode gestorben – ein Hupenkonzert wie ich es schon seit Jahren nicht mehr im Ausland erlebt habe – tausende von Menschen all überall – ausweichen, aus dem Weg gehen, zehnmal um sich herum gucken, dass man nicht angefahren wird – vollkommene Reizüberflutung – alle Sinne werden herausge- , nein, überfordert – Geräusche, Gerüche, Blingbling – staubige, schmutzige Luft – Hochhäuser, Menschenmassen, Rotzgeräusche. Der erste Tag ist anstrengend. Es ist kein Kulturschock, aber ich muss mich an die andere Lebenswelt definitiv erst noch gewöhnen.

Dazu vollkommene Irritation: Mein Bosch-Kollege empfindet die Stadt als sehr ruhig, nett und angenehm. Was wird mich denn dann in Shanghai und Peking noch erwarten? Ein kurzes Gefühl von Panik durchdringt meine Brust. Die darauffolgende Ignoranz dieser Vorstellung ermöglicht es mir dennoch zu schlafen. Tief und fest. Zu viele neue Eindrücke schlauchen.

2. Tag: Raus aus dem Stadtzentrum. Angeblich der drittgrößten Einkaufsmeile Chinas nach Hongkong und Shanghai. Den Eindruck habe ich gestern auch gewonnen. Ein Luxuslabel jagt das nächste in überdimensional großen Gebäuden. China strebt auf. Das Highend ist auch hier eingetroffen. Viele teure Autos, gut gekleidete Chinesen. Meine Vorstellung eines verarmten, rückständigen Entwicklungslandes verpufft im Nu. Der westliche Luxus hat auch hier Einzug gehalten. China hat aufgeholt, gar überholt. Das wird in dieser „Kleinstadt“ bereits gut sichtbar.

Die zweite Boschi ist eingetroffen. Ich mag es, wenn sich vor der Akademie die Gruppe schrittweise vergrößert und danach wieder in kleinen Schritten verkleinert. Ich freue mich sehr sie wiederzusehen – auch ihr erster Eindruck: Eine sehr grüne und ruhige Stadt.

Dennoch gilt es etwas Abstand von der Masse zu nehmen. Raus an den Wuhou Tempel im tibetischen Viertel Chengdus. Auch hier kulinarische Vielfalt wohin das Auge blickt. Ein purer Genuss für den Gaumen. So zum Beispiel der Konsum eines frisch gepressten Birnen-Dragenfrucht-Safts. Ansonsten leider kein sonderlich großer Abstand von den vielen Touristen, denn auch hier befinden wir uns auf einer kleinen Tourimeile. Viele Menschen, viele kleine Stände mit viel zu viel Essen und Souvenirs, die man unbedingt seinen Freunden und Bekannten mitbringen sollte. Ich beschäftige mich zunächst mit kulinarischen Köstlichkeiten und schlage mir den Bauch voll. Für Einkäufe habe ich noch fast drei Wochen Zeit.

Eine ganz andere Atmosphäre herrscht am Wenschu Tempel. Hier fühle ich mich gleich sehr wohl. Viele kleine Cafés und Restaurants mit Sitzmöglichkeiten im Freien. Die Atmosphäre ist gelassen und entspannt. Man unterhält sich, spielt zusammen, freut sich übereinander. Einfach nur zum wohl fühlen. Traditionelle Häuser eingepfercht zwischen vielen neuen Hochbauten bringen einen dennoch kurz zum Schmunzeln.

Auf dem Tempel Areal selbst kann man im Freien jede Menge Grüntee genießen. Rauchen, um Geld spielen und Fleisch essen strengstens VERBOTEN. Hier fühl ich mich wohl, hier bin ich Mensch. Im Tempel das vegetarische Restaurant Lotus. Es gibt ein all you can eat Buffet. Wir schlagen zu. Alles wird probiert. So viele neue Geschmacksrichtungen. Für einen kurzen Moment schwebe ich im Himmel! Am Ende bringt mich der schmerzende Bauch wieder auf den Boden zurück.

Am Abend geht es weiter in die Sichuan-Oper ins berühmt berüchtigte Maskentheater. Darin wechseln die Künstler im Sekundentakt ihre Masken und keiner weiß, wie sie das machen. Ein wahres Spektakel! Eine Stunde vollkommene Beschallung und Vereinnahmung jeglicher Sinne. Es ist laut, bunt, exotisch vielfältig, die Sinne kommen mit dem Verarbeiten der vielen Eindrücke gar nicht mehr hinterher. Am Ende fühle ich mich als wäre ich high. Meine Reize sind mal wieder überflutet.

3. Tag: Volles Programm. Jede Minute wird ausgenutzt. 6:30 Uhr aufstehen. Es geht zu den Pandabären. In Chengdu gibt es eine Zuchtstation. Ohne diese wäre das Ende der Spezies Pandabär leider absehbar. Denn so süß die Bärchen auch sind, vermehren wollen sie sich alleine nicht so gerne. Da muss man tatsächlich nachhelfen. Im Schnitt überlebt eine Spezies circa 5 Millionen Jahre. Beeindruckender Weise gibt es Pandabären bereits seit 8 Millionen Jahren. Damit stellen sie eine besonders alte Spezies dar. Es ist schön, dass man sich so sehr um ihr Überleben kümmert, auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass dies insbesondere deswegen geschieht, weil sie so putzig und knuffig sind. Ich frage mich, ob man sich mit so viel Energie für eine vom Aussterben bedrohte Spinnenart einsetzen würde… Davon aber einmal abgesehen sind die Pandas wirklich, wirklich süüüüß! Soooo knuffig! Man mag sie am liebsten einfach nur knuddeln 🙂

Obwohl am Nachmittag immer mehr der Boschis im FlipFlop Hostel einkehren und die Gruppe allmählich Form annimmt, beschließen ein Boschi und ich uns doch lieber Richtung Natur zu verkrümeln und raus aus der Stadt zu fahren. Ziel: Das Bambusmeer im Süden. Am Bahnhof angekommen sind wir schon voller Zuversicht und freuen uns auf das kleine Abenteuer. Ohne Chinesisch in eine touristisch kaum erschlossene Region – das kann ja nur aufregend werden! Doch die Dame am Ticketschalter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Die Bustickets sind ausverkauft. Das haben wir nicht mitbedacht. Trotz super ausgebauter Infrastruktur und öffentlichen Nahverkehrsmitteln ist das begrenzte Angebot für manche Ziele schnell ausgeschöpft. Eine Information, die uns sehr behilflich gewesen wäre. Tja, Pech gehabt.

Planänderung. Anstelle von Bambusmeer geht es in die nahegelegene Bergregion Emei Shan. Das kann man schon mal machen. Hauptsache noch etwas Natur bevor die Akademie beginnt. Wandern statt spazieren gehen, wieso auch nicht?

Nach einer super stressigen Busfahrt aufgrund eines leicht wahnsinnigen Busfahrers, der jedes entgegenkommende oder nebenher fahrende Fahrgefährt mehrmals anhupen muss, um auf sich aufmerksam zu machen (oder warum auch immer), kommen wir endlich in Emei Shan an. Eine Stadt, die wahrlich auf den Tourismus ausgelegt ist. Ein Hotel nach dem anderen, ein Restaurant neben dem anderen. Wo sind wir nur gelandet?

Immerhin gibt es auch hier viele leckere Essensmöglichkeiten. Am Abend ist es noch so schön warm, dass wir draußen im Freien essen können. Es ist schon sehr lange her, dass ich das zuletzt machen konnte. Ich genieße die vielfältige vegetarische Kost, erfreue mich über den kunterbunten Anblick des Essens, das rund um uns herum zubereitet wird und über das tobende Leben, das sich hier ereignet. Beobachten und auf sich wirken lassen. Einfach nur herrlich.

4. Tag: Der Wecker klingelt um 6.30 Uhr. Mal wieder. Ist das eigentlich noch Urlaub oder schon Arbeit? Ich habe unglaublich schlecht geschlafen. Warum? Meine Zimmernachbarn. Um 4 Uhr geht es los mit Koffer packen, umpacken, was auch immer. In meinem Zimmer wohnt die Hostelangestellte. Zwischenzeitlich liegt sie mit zwei Freundinnen/ Kolleginnen in dem Bett unter mir. Sie gehen in das Zimmer rein, raus, rein, raus, Tür auf, Tür zu, Licht an, Licht aus. Ich werde wahnsinnig!

Mürrisch stehe ich auf und kann nicht glauben, dass ich mit diesem mauen Energietank gleich stundenlang wandern gehen soll. Jetzt schon bin ich total geschlaucht. Unser für 7 Uhr bestelltes Frühstück erhalten wir nicht. Wie auch? Die Hostelangestellte schläft seelenruhig in unserem Zimmer. Ich bin fassungslos, hungrig, schlecht gelaunt.

Egal. Ich reiße mich zusammen. Wir haben uns viel vorgenommen für den heutigen Tag. Mit dem Bus wollen wir zur ersten Gondelstation fahren. Doch einen Bus finden wir nicht. Entgegen der Auskunft, dass regelmäßig Busse zur Station fahren würden, müssen wir auf ein Taxi umsteigen. Ok. Dann eben überteuerte Taxifahrt, wenn’s nicht anders geht.

An der Gondelstation angekommen – der erste Schreck. Dutzende Touribusse parken nehmen einander, Menschenmassen, die ameisengleich umher wuseln. Von wegen Ruhe und Seele baumeln lassen. Ich sehe schon kommen, dass wir uns nebeneinander den Berg hinauf schieben werden. Meine Laune verschlechtert sich mit jeder Minute.

Gondelticket gekauft. Schnell weg von den Menschenmassen. Schnell den Berg hoch! Von wegen. Zweiter Schreck – ein Ticket für die Gondel ist nicht genug. Man braucht auch noch ein Ticket, um überhaupt den Berg betreten zu dürfen. Ich fasse es nicht! Was für eine Touriabzocke! 50 € kostet der Spaß! Unglaublich! Mürrisch geben wir das Geld aus. Wir haben uns auf wandern eingestellt, wir müssen wandern, dafür müssen wir zahlen. Mit Wut energiebeladen bin ich bereit 1000 m hochzuwandern. Es kann losgehen.

Als nicht gerade sportliche Person bin ich überrascht wie gut ich durchhalte. Man kann sich die Wandertour folgendermaßen vorstellen: Treppen steigen, Treppen steigen und noch mehr Treppen steigen. Immer bergauf. Mit wandern hat das nicht mehr viel zu tun. Es ist wirklich anstrengend. Doch die Ausblicke über die Berglandschaft und die Tempel als Zwischenziele sind es wert und versorgen uns mit neuem Elan.

An vielen Stellen ist Vorsicht geboten. Wild lebende Affen. Bereits im Dorf hat man uns vor den gewitzten Affen gewarnt. Bloß alles fest am Rucksack befestigen! Keine Flaschen außen stecken haben. Am besten kein Essen in der Hand haben. Die Affen seien frech und würden alles klauen und gerne auch den Flascheninhalt über einem entleeren! Bisher haben nur ein paar Affenbabys unseren Weg gekreuzt und das immer nur auf den Bäumen mit genügend Sicherheitsabstand. Immer diese Panikmache!

Nach dreieinhalb Stunden sind wir schon völlig aus der Puste. Es geht hoch, höher, am höchsten. Kein Ende in Sicht! Dafür aber eine Zwischenstärkung im Tempel. Viel frisches Gemüse und viel Reis werden für uns zubereitet. Gemeinsam mit einer Wandergruppe junger Chinesen hauen wir uns den Bauch voll und bereiten uns für den weiteren Aufstieg vor.

Die Luft wird bereits dünner. Wir laufen schon durch Wolken. Keinen Ausblick mehr. Es wird kühl. Hier und da sehen wir noch Schnee liegen. Eine mystische Stimmung kommt auf. Ein perfektes Ambiente für jegliche Fantasy-Figuren. Zwischenzeitlich fühle ich mich wie eine Waldelfe und würde gerne abheben.

Das Aufsteigen geht uns immer mehr an die Substanz. Wir reden nur noch wirres Zeug. Wir lachen viel. Es liegt vermutlich am zunehmenden Sauerstoffmangel. Das Hirn arbeitet nur noch eingeschränkt.

Immer wieder werden wir von Wandergruppen überholt, immer wieder holen wir sie ein und überholen sie. Man weiß schon, wann wer langsamer wird und wann wer wieder aufholt. Man kennt sich. Ein Gemeinschaftsgefühl kommt auf. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Unser Gemüt wird von einigen der Gruppenmitglieder unabsichtlich sehr erhellt: Beispielsweise von Frauen, die den Berg erklimmen und einen Rollkoffer hinter sich her ziehen. Oder von Frauen, die im pinken Samtanzug wandern. Oder von Frauen, die auf High Heels den Berg erklimmen. Oder von Mutter und Tochter im Partnerlook. Alles nach dem Motto: Hauptsache geil aussehen! Für Unterhaltung ist damit (unabsichtlich) gesorgt. Für kurze Momente vergessen wir den Schmerz, der sich in unserem ganzen Körper breit macht.

Stufen, Stufen, Stufen. Kein Ende in Sicht. Immer wenn ich denke, es kann nicht noch höher gehen, das muss es nun endlich gewesen sein, werde ich eines besseren belehrt. Es geht höher, höher und noch höher. Ich werde wütend auf den Lonely Planet Autor. Von wegen in vier Stunden kann man auf 2000 m hoch wandern. Der ist den Weg sicher nicht gegangen. Erst nach sieben Stunden erreichen wir unser Ziel. Angekommen. Geschafft. Es fühlt sich gut an!

Belohnung: Die lang ersehnten wilden Affen, die von chinesischen Touristen mit Futter angelockt werden und sich darüber ärgern, wenn sie ihnen ihr Essen stehlen.

Am Abend sind wir vollkommen am Ende. Selbst das Essen wird zu einer unüberwindbaren Anstrengung. Gelohnt hat es sich aber alle mal. Wir sind vollkommen fertig, aber es fühlt sich gut an. Endlich mal wieder über die eigenen körperlichen Grenzen hinausgegangen. Erschöpft gehe ich zu Bett. Ich schlafe wie ein Stein.

5. Tag: Heute beginnt unsere Akademie in Pengshan – der eigentliche Grund für meinen China-Aufenthalt. Nach Auskunft der Hostelmitarbeiter alles kein Problem. Mit dem Zug einfach direkt nach Pengshan fahren. Ganz entspannt. Alles klar. Dann packe ich mal noch in Ruhe meine sieben Sachen.

Von wegen. Zugtickets ausverkauft. Mal wieder. Was nun? Mit dem Bus. Es gibt keine direkte Verbindung. Also ab nach Meishan, wo auch immer das sein mag. Nach einer (wenig überraschend) weiteren turbulenten stressigen Busfahrt bei fast 30 Grad endlich in Meishan angelangt. Ticket für Pengshan gekauft. Abfahrt 18:50 Uhr. Mist! Das passt auf keinen Fall. Die Akademie beginnt um 19 Uhr. Muss denn eigentlich alles schief gehen, was nur schief gehen kann? Und erhält man in diesem Land immer falsche bzw. unvollständige Auskunft? Denkt denn keiner mit? Ich habe mal wieder ein kurzes Tief. Ab ins Taxi und weiter geht’s. Viel zu viel Geld verballern. So läuft das scheinbar hier.

Endlich angekommen. 45 Boschis wieder vereint. Hallo, hallo, hallo! So viele Begrüßungen! Aus der ruhigen Natur ab ins Gemenge. Die Akademie kann beginnen! Ich bin bereit.

Und zum Ende noch ein Einblick in die kulinarische Verkostung in Sichuan…

Vom Pazifik zum Baikal –Katerina Poladjan, woanders

Lesereise durch den Fernen Osten Russlands im März 2015

Die vier Lektorinnen der Robert Bosch Stiftung im Fernen Osten Russlands und die DAAD-Lektorin im burjatischen Ulan-Ude haben gemeinsam eine vierwöchige Lesereise mit der deutsch-russischen Lesereise Katerina PoladjanAutorin Katerina Poladjan organisiert. Unter dem Stichwort „Vom Pazifik zum Baikal“ besuchte die Schriftstellerin zwischen dem 26.02. und 20.03. sechs Städte in dem fern gelegenen Areal Russlands: Wladiwostok, Chabarowsk, Blagoweschtschensk, Jakutsk*, Tschita und Ulan-Ude. Während ihrer Lesereise-Stopps wurden gemeinsam mit den Lektorinnen inhaltlich unterschiedlich ausgerichtete Seminare zu dem Roman „In einer Nacht, woanders“ abgehalten. Die Studierenden konnten sich mit Themen wie Identität, Heimat, Migration, Sprache und Stilistik beschäftigen und sich gemeinsam mit der Autorin über ihre persönlichen Meinungen und Ansichten austauschen. Darüber hinaus fanden Übersetzungswerkstätten statt, in welchen Teile des Buches auf Russisch übersetzt wurden. Diese Übersetzungen wurden dann in öffentlichen Lesungen von den Studierenden vorgetragen – Katerina las zunächst die deutsche Passage, die Studenten dann die russische. Damit konnte das Buch nicht nur einem deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht werden.

Mit der Lesereise sollten die Deutsch-Lernenden, -Lehrenden und -Interessierten nicht nur in realen Kontakt mit einer deutsch-russischen Autorin treten, sondern sich auch mit zeitgenössischer, transnationaler Literatur beschäftigen. Gleichzeitig bot die Lesereise eine wunderbare Gelegenheit einen Beitrag für ein vielfältigeres Bild Russlands zu leisten. So hat Katerina ihre Reise mit einem eigenen neuen Buchprojekt verbunden und sich hierfür während ihren Stopps mit vielen Einheimischen über ihre persönlichen Geschichten ausgetauscht. Sie kann damit ein aktuelles, realistisches und besonders vielseitiges Bild ihrer zwischenmenschlichen Begegnungen im Fernen Osten Russlands in Deutschland vermitteln.

 * Der Standort konnte leider kurzfristig von der Autorin nicht mehr persönlich besucht werden. Deswegen gab es eine Skype-Konferenz mit den Germanistik-Studierenden.

1. Stopp – Wladiwostok

2. Stopp – Chabarowsk

3. Stopp – Blagoweschtschensk

4. Stopp – Jakutsk

5. Stopp – Tschita

6. Stopp – Ulan-Ude

(Finanziert wurde die Lesereise über das Lektorenprogramm der Robert Bosch Stiftung und über den DAAD, tatkräftig unterstützt durch die teilnehmenden Universitäten und den Veranstaltungsorten der Lesungen. Vielen Dank an alle Helferlein, die diese wunderbare Reise erst möglich gemacht haben!)